Ein Modell für die Welt

Jeden Tag überqueren derzeit knapp 3000 südsudanesische Flüchtlinge die Grenze zum

südlichen Nachbarland Uganda. Sie fliehen vor einem blutigen Bürgerkrieg, einer Hungersnot und einer Regierung, die sich für ihr Schicksal kaum interessiert, da sie vom Chaos sogar profitiert. Seit vergangenem Sommer, als der seit drei Jahren währende Krieg sich neuerlich intensivierte, sind über 620 000 Flüchtlinge aus dem Südsudan in Uganda eingetroffen. Allein in diesem Jahr überquerten bisher 175 000 Vertriebene die ugandische Grenze. Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR handelt es sich um die grösste Flüchtlingskrise Afrikas und die am schnellsten wachsende der Welt.

Eine humanitäre Pflicht

Für das ostafrikanische Binnenland Uganda mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern bedeutet der riesige Flüchtlingszustrom eine immense Herausforderung. «Der beispiellose Anstieg der Flüchtlingszahlen ist eine enorme Belastung für die öffentlichen Dienste und die lokale Infrastruktur», sagte der ugandische Premierminister Ruhakana Rugunda unlängst in lokalen Medien. Es sei jedoch die humanitäre Pflicht des Landes, die Notleidenden aufzunehmen. «Wir heissen unsere Nachbarn weiter illkommen.»

Anders als in anderen afrikanischen Ländern, in denen der Anstieg der Flüchtlingszahlen teilweise zu xenophoben, gewalttätigen Protesten führte – Südafrika ist hierfür das bekannteste, nicht aber das einzige Beispiel –, werden die südsudanesischen Flüchtlinge in Uganda sehr wohlwollend empfangen. Das Land, das in weiten Teilen der Welt noch immer

primär mit dem ehemaligen Despoten Idi Amin in Verbindung gebracht wird, verfolgt eine Flüchtlingspolitik, die laut dem UNHCR zu den progressivsten des Kontinents gehört. «Ugandas Flüchtlingsregime ist ein Modell – nicht nur für Afrika, sondern für die Welt», sagt Rocco Nuri, ein Mitarbeiter des Uno-Flüchtlingshilfswerks.

Quelle: Neue Züricher Zeitung

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