Die Flüchtlinge können kommen (25.11.2015)

 

Heute fand in der Asylbewerberunterkunft in Seltmans eine Besichtigung und kleine Fragestunde der Helfer des Unterstützerkreises statt. Alle konnten sich über die Ergebnisse der Renovierungsarbeiten informieren und vom dem gelungen Zustand der Einrichtung überzeugen. Die einfache und saubere Einrichtung sollte einem Wohnheim für Asylbewerber voll genügen. Hier kann sich jeder ein Bild machen: AH

Nachrichten (18.11.2015)

 

Der Unterstützerkreis Asylbewerber Weitnau Seltmans traf sich zum ersten Mal am Montag, 2. November im Gasthof Goldener Adler in Weitnau zu einem informellen Treffen. Referent war Herr Armin Ruf von der Caritas in Kempten.

Bei einem weiteren Treffen am 17. November wurden weitere Fragen geklärt. Anschließend gründeten sich die verschiedenen Arbeitsgruppen (Teams) und es fand ein erster Austausch unter den einzelnen Teammitgliedern statt. Dabei wurden auch die Sprecher der Teams gewählt und Herrn Lang von der Verwaltungsgemeinschaft Weitnau genannt.

 

Die Arbeiten in der Flüchtlingsunterkunft sind weitestgehend abgeschlossen. Die Anschlüsse sind alle gelegt und die Küchen sind eingerichtet. Auch die Kanalisation ist fast fertig; nur der Bauschutt muss noch entfernt werden und die Reinigung muss noch erfolgen.

Verantwortlich für die Unterkunft sind ein Hausmeister vom Gewerbepark (Technik) und auch ein Quartiermeister, der allerdings für insgesamt 150 Flüchtlinge (auch in den umliegenden Gemeinden) zuständig ist.                                       AH

Flüchtlingsstatus anerkannt - willkommen in der Wirklichkeit!

Anfang September erhielten zwei Asylbewerber den Flüchtlingsstatus durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, abgekürzt BAMF, anerkannt. Wie bereits berichtet, sind die jungen Männer irakischer Jeziden, deren Region um die Stadt Sindschar im August 2014 von den Banden des Islamischen Staates überfallen wurde. Sie fanden zusammen mit zwei weiteren Landsleuten im Mai diesen Jahres Quartier in der alten Schule in Wengen.
Um einen Antrag auf Asyl stellen zu können, wurden sie im Sommer in die Erstaufnahme Einrichtung für Asylbewerber nach Nürnberg einbestellt. Offensichtlich war bei ihnen die Sachlage so eindeutig, dass die Anerkennung binnen 3 Monaten erfolgen konnte.


Und wie geht es jetzt weiter?


Mit der Anerkennung des Flüchtlingsstatus endet ihr Anspruch aus dem „Asylbewerberleistungsgesetz“. Ab jetzt ist das Jobcenter, bzw. die Agentur für Arbeit, zuständig. Wie für jeden anderen Hilfebedürftigen auch, beginnt jetzt ein bürokratischer Hürdenlauf, der ohne den engagierten Einsatz der freiwilligen Helfer nicht zu bewältigen ist. Unterstützung gibt es erst dann, wenn alle Formalien erledigt sind und das kann dauern.
Die Gemeindeverwaltung füllte diese Lücke unbürokratisch und zahlte einen Vorschuss zum Lebensunterhalt, der nachdem die Gelder fliessen, zurückgezahlt werden muss.


Mit der Anerkennung des Flüchtlingsstatus endet auch die „Residenzpflicht“ in der alten Schule in Wengen. Einer der Beiden fand bereits eine andere Unterkunft. Für den derzeit in der alten Schule in Wengen Verbleibenden wird der Aufenthalt teuer.
Das Landratsamt Oberallgäu hat umgehend eine Rechnung über pauschale Unterkunftsgebühren gestellt. Diese Unter-kunftsgebühren werden über das Wohngeld beglichen, das anerkannte Flüchtlinge von der Agentur für Arbeit (Bund) erhalten.

B.S.

Wie vor kurzem berichtet, trafen am 21.5.2015 die ersten Asylbewerber in Wengen ein. Sie fanden Quartier in der alten Schule, wo sie bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag bleiben werden.

In einer der letzten Bergstätten Ausgabe war bereits über eine syrische Familie berichtet worden. Als nächstes wird eine Gruppe vier junger Iraker, Fuad, Khalef, Riad und Saleh, vorgestellt. Die jungen Männer gehören der Minderheit der Jeziden an. Sie sind von ihrer Volkszugehörigkeit Kurden, ihre Religion ist monotheistisch und ihre Heimat liegt im Norden Iraks, im Distrikt Sindschar mit dem gleichnamigen Gebirge und der gleichnamigen Stadt. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt im August 2014, als die Terrorgruppe des Islamischen Staates die Region überfiel, die Stadt zerstörte und viele ihrer Bewohner ermordete. Zigtausende flohen in das Gebirge, wo sie ohne Wasser und Lebensmittel ausharren mussten und viele Menschen verdursteten.

Den vier jungen Männern gelang die Flucht über Kurdistan und der Türkei nach Deutschland, in die Erstauf- nahmeeinrichtung in Fürth und von dort nach Wengen, wo sie sich im ersten Stock der alten Schule zusammen mit zwei Asylbewerbern aus Eritreia, ein Zimmer teilen.
Fuad, Khalef, Saleh, und Riad sprechen Kurdisch, Arabisch, etwas Englisch und überhaupt kein Deutsch. Bedauerlicherweise haben sie, wie alle anderen Asylbewerber, kein Anrecht auf einen Sprachkurs. Da sie in dieser Zeit auch nicht arbeiten dürfen, wären sie quasi zum Herumsitzen verurteilt.
Dank der Initiative des Unterstützerkreises, der sich in Wengen am 13.5.2015 zusammengefunden hat, erhalten sie, ebenso wie alle anderen Asylbewerber, von freiwilligen Helfern privaten Sprachunterricht. Inzwischen konnte auch ein Raum im Pfarr-gebäude dazu gewonnen werden.
Die jungen Männer lernen engagiert, sie spielen Fussball im TSV Wengen und haben schon als Helfer bei der Reinigung des Wassertretbeckens mitgewirkt. Das alles hilft die Wartezeit bis zur Entscheidung über den Asylantrag sinnvoll zu überbrücken und Kontakte zur Bevölkerung zu knüpfen. Auch ohne Arbeitsgenehmigung werden helfende Hände immer willkommen sein.

B.S.